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Montag, 21. Oktober 2013

Wenn ein Ring ein ganzes Leben auf den Kopf stellt

Die meisten werden es schon mitbekommen haben. Nach beinahe sieben Jahren Beziehung wurde mein Freund zu meinem verlobten und mein linker Ringfinger zur dauerberingten Zone. War es in den ersten Tagen nach der, ich gebe es zu, doch sehr unspektakulären und wenig hollywoodreifen Verlobung noch alles sehr ungewohnt und unwirklich, so ist es jetzt ein angenehmes und schönes Gefühl zu wissen, dass ich meinem zukünftigen Mann schon bald ein sehr ernstes Versprechen geben werde.

Wobei bald eigentlich ein sehr dehnbarer Begriff ist, der große Tag wird nämlich erst irgendwann im nächsten September stattfinden. Alle Zeit der Welt war mein erster Gedanke und meine Trauzeugin und beste Freundin war da eigentlich auch der gleichen Meinung. Alles nur aus einem Grund, um nur wenige Tage später auf dem harten Boden der Realität aufzuschlagen. Hochzeiten haben sich nämlich verändert. Sie wurden amerikanisiert. Sendungen wie vier Hochzeiten und eine Traumreise oder die perfekte Hochzeit und unzählige Hollywoodfilme haben aus einem Brauch und einem Versprechen vor Staat und Kirche (wenn man das heute noch so will) einen Megatrend und einen globalen Hype gemacht.

© Joe Elario


Was in anderen Gebieten höher, schneller, weiter heißt, ist in Hochzeitssprache übersetzt größer, unnötiger, kitschiger. Und ich muss sagen, ich habe schon nach vier Wochen Beschäftigung mit diesem Tag, der ja der schönste in meinem Leben werden muss – nein das setzt mich gar nicht unter Druck – eigentlich die Nase gestrichen voll. Was aussieht wie ein Traum aus reiner Seide ist in Wahrheit ein überteuerter Haufen Polyester und was aussieht wie ein Traumschloss aus den Märchenbüchern ist in Wirklichkeit ein vor sich hinmodernder, alter Kasten der nur darauf wartet, dass das nächste hochzeitsverblendete Paar daherkommt und seinen überteuerten Preis für ein Fest von der Stange, mit minderwertigem Essen und schlechtem Service, bezahlt. Es gibt sie, denn auch die hässlichste Location ist ausgebucht und der schlechteste Caterer überlastet. 

© Channel 4


Ich möchte jetzt nicht über die Pläne anderer urteilen. Für mich stellt sich nur die Frage, ob ich auf den kollektiven Hochzeitszug aufspringen möchte. Nach drei Hochzeitsmessen, einem Kleiderspontankauf und etlichen Locationbesichigungen kann ich für mich nur beantworten: NEIN. Alles was ich mir wünsche, ist ein schönes Fest, mit meiner Familie und meinen besten Freunden, die sich freuen einen großen Schritt in meinen Leben zu feiern und sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob meine Hochzeit mehr Pinterest-Board oder Hochzeitswahn ist. Ich wünsche mir einen Tag voller Freudentränen, gutem Wein und noch besseren Essen und keine perfekt ausgeleuchteten Fotos, die mich daran erinnern sollen wie individuell und toll das alles nicht war.

© Ruffled Blog


Vielleicht ist jetzt auch nur die allgegenwärtige Überforderung mit dem Thema, denn ich werde mich nicht sämtlichem Hochzeits-Schi-Schi entziehen, aber eins kann ich schon jetzt mit Sicherheit sagen: Style me Pretty wird nicht einmal mit der Wimper zucken wenn ich vor den Altar trete, meinen Brautstrauß werfe und meine Non-Designer-Torte, die ausgezeichnet schmecken wird, mit einem ganz normalen Küchenmesser anschneide. Aber vielleicht Ruffled, denn das ist einer der wenigen Hochzeitsblogs, der mir wirklich gefällt.

Kommentare:

  1. ich bin gespannt, hoffe, du hältst uns weiter auf dem Laufenden :)

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  2. Ich habe 2009 geheiratet und kann dir daher sagen: Gut so! Behalte dir deine Einstellung, wenn möglich. Es soll für EUCH der schönste Tag werden, und nicht für eure Gäste oder was andere denken, was ihr tun müsstet. Nicht falsch verstehen, natürlich gehören die Gäste absolut dazu und sind ein wichtiger Teil an diesem Tag. Aber viel wichtiger ist, was nach dem großen Tag passiert - denn dann sind alle anderen weg, das Make Up runter, das Brautkleid hängt nur noch im Schrank; was ihr dann daraus macht, darauf kommt es wirklich an. Wir haben nur "klein" gefeiert ohne viel Tam Tam, mit gutem Essen und ausgewählten Freunden, und noch heute erinnern wir uns gerne daran. Das wünsche ich dir auch!!

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  3. erstmals herzliche gratulation! ich verstehe dich nur zugut - man wird förmlich von dem amerikanischen kitsch überrannt! die leute glauben es muss alles wie im film sein und es kommt auf die größe des ringes an - ich habe im bekanntenkreis auch eine die mit einer anderen konkurriert (krankhaft finde ich sowas...) ;) ich wünsche dir auf jedenfall eine schöne stressfreie vorbereitungszeit und bin schon auf weitere einträge gespannt! alles liebe

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